Vereinshistorie

Historische Vereinsgeschichte

Mit dem folgenden geschichtlichen Rückblick soll gezeigt werden, dass die Villmarer Peter-Paul-Garde eine der ältesten Zusammenschlüsse Villmarer Bürger ist. Sie kann sich auf eine jahrhundertlange, urkundlich belegbare, Tradition zurückbesinnen und auf ihr Wirken in der Vergangenheit bis heute stolz sein kann, denn sie hat seit mehr als 750 Jahren immer zum Wohle der Villmarer Bürger gewirkt, sei es, dass sie dem Schutzbedürfnis der Gemeinschaft diente, dass sie zu einer viel beachteten Bereicherung des Villmarer Patronatstages wurde oder dass sie es in besonderem Maße verstand, Villmar auch in der weiteren Umgebung unseres schönen Hessenlandes bekannt zu machen.

Im Jahre 1250 wurde der 1053 in einer Schenkung erstmals erwähnte Flecken Villmar durch einen Grafen von Isenburg, einen Vogt der Benediktinerabtei St. Mathias zu Trier, mit Mauern und Türmen befestigt. Spätestens seit dieser Zeit existiert in Villmar auch eine Wehrmannschaft, die, im Falle von feindlichen Angriffen auf Leib und Leben, die Villmarer Bürger zu schützen und ihre körperliche Unversehrtheit zu gewährleisten hatte. Ein genauer Plan der Befestigungsanlage, signiert und datiert von dem Trierer Baumeister Ravensteyn am 23. Mai 1699, zeigt den Mauerring mit drei Toren und 10 Türmen.

Plan der Befestigungsanlage

In einer weiteren Urkunde, die um das Jahr 1318 datiert, werden einige Villmarer Bürger namentlich aufgeführt, die als Zeugen zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung geladen waren, der Pastor Ulrich von Buchsecke, der Schultheis Heintz von Felden und die „festen Knechte“ Emmerlich Wolfskehlen von Foidsberg, Johann Rode und Godtard von Weilburg.
Mit den „festen Knechten“ sind Burgmannen gemeint, die, wie bereits erwähnt, in Villmar ansässig waren und dort ihrer Tätigkeit als Wehrmänner nachgingen.

Einen weiteren Hinweis auf eine Wehrmannschaft findet man in einer Urkunde aus dem Jahre 1348. Im Sommer dieses Jahres unternahm Kurfürst Balduin von Trier einen Kriegszug gegen die Herren von Westerburg, Isenburg und Wied und gegen Villmar. Kurfürst Balduin rückte mit einer großen Streitmacht gegen Villmar vor. Am Margarethentag, den 13. Juli 1348 stellten sie an günstigen Plätzen vor den Mauern Villmars ihre Belagerungsmaschinen auf. Die Mauern und Türme der Festung wurden erschüttert und viele Feinde getötet. Nach der Einnahme der Festung, am 1.August 1348, wurden 9 Ritter, die der Besatzung angehört und sich bei der Verteidigung besonders hervorgetan hatten, gehenkt.

Im Jahre 1359 bezeichnet der Limburger Stadtschreiber Tilemann Elhen von Wolfhagen in seiner für das deutsche Spätmittelalter so bedeutsamen Limburger Chronik die Villmarer Wachmannschaft als sehr mutig, die anlässlich der Belagerung Villmars durch das Reichsheer bei einem nächtlichen Ausbruch die Belagerungsmaschinen der Feinde verbrannt und 50 Kriegsknechte der Freien Reichsstadt Frankfurt niedergemacht habe.

In einer Urkunde vom 15.Juni 1431 befindet sich ein weiterer Hinweis, dort heißt es: „ Kommt eines der Schlösser von Villmar oder Grensau in unseren Besitz, werde erneut ein Burgfriede geschlossen; dann geloben alle Burgmannen, Einwohner, zugehörige Geistliche und Weltliche, die Pförtner und Turmwächter uns und unseren Erben Gehorsam.“

Als Ehrengeleitformation ist eine Villmarer Bürgergarde erstmals für das Jahr 1526 bezeugt.
Wurde in Trier ein neuer Abt gewählt, so besuchte dieser baldmöglichst die dem Kloster gehörenden Besitzungen, um sich huldigen zu lassen, d.h. um sich das Eigentum durch die Bürger bestätigen zu lassen. Dies geschah derart, dass der Vogt, der Bürgermeister, die Schöffen und die Bürger auf seinen Namen als Grundherren vereidigt wurden.

Aus diesem Grund wollte der neu gewählte Abt Petrus Olevian am 16. Dezember 1526 in Villmar eintreffen und trat am Montag nach Mariä Empfängnis, am 10. Dezember 1526, die Reise von Trier aus nach Villmar an. Am folgenden Samstag traf er in Limburg ein.
Es heißt dazu in der entsprechenden Urkunde:
„ Am Sonntag nach dem Mittagessen sind von der gemeinen zu Vilmar gehen Limburg in die Herberg zur Kronen fünff und zwantzig Bürger mit Helbarten, spiessen, bogen, büchsen und allerlei gewehr kommen, dargestellt massen und meinig, dass sie meinen ehrwürdigen Herren, wie von alters schuldig und allwege getan, gen Vilmar seinen Intritt zu thun sollten geleyden. Und als dieselbige bürger ein klein refektion (kleine Erfrischung) gehabt, ist mein ehrwürdiger Herr nach Villmar geritten und seindt die von Villmar alles vor und vor in einer Ordnung getretten.
Und als mein ehrwürdiger Herr mit der ordnung und gefolgschaft in die Gegend des Schloß Runkel auf die Högt war kommen,(Höhe auf dem Weg Ennerich-Villmar) haben die zu Vilmar alle Klocken angezogen und läutens nit uffgehört, bis dass der ehrwürdige Herr zu
St. Matheis zu Vilmar in seinen Hoff eingeritten was und abgestanden (abgesessen).
Und haben die namhaftigsten als Bürgermeister, Bürger und Inwohner zu Vilmar seiner Ehrwürdigen für der pfortten gewartet und seine Ehrwürdigkeit so zu fuß und zu pferd höflich, freundlich und zirlich allesambt mit entdeckten (entblößten) Häubtern Willkommen geheißen und also mit dem gezeig der reissigen und geleidtsleuthen seiner Ehrwürdigen für und nachgegangen und bis in den Mönchshof gefogt.“

Dieses ausführliche Zitat zeigt, dass die Mitglieder der Wehrmannschaft im Falle eines Angriffes auf Villmar nicht nur zu verteidigen, sondern dass sie auch den jeweiligen Grundeigentümer auf seinem Weg nach Villmar zu schützen und damit seine Herrschaft zu repräsentieren hatten.

Aus dem Jahr 1562 stammt die älteste noch vorhandene Wachordnung der Festung Villmar.

Im ersten Abschnitt dieser Ordnung sind alle Bürger Villmars namentlich aufgeführt, die auf den einzelnen Stadttürmen „Wache zu schieben“ hatten.

Im zweiten Abschnitt folgen 103 Namen Villmarer Bürger, die eine „Schießwaffe“ zu Hause ständig bereitzuhalten und im Ernstfall auch einzusetzen hatten.

Weiterhin mussten 13 Bürger Hellebarden und 9 Bürger Knebelspieße in Bereitschaft halten.

Aus dieser Verteidigungsordnung ersieht man deutlich, dass außer den Burgmannen, Wächtern und Pförtnern im Ernstfall jede Familie in Form einer Bürgerwehr zum Schutz von Leib und Leben herangezogen wurde.

Ehre wem Ehre gebührt! Bei feierlichen Prozessionen wie an „Corpus Christi“ im Jahre 1706, verpulverten die Schützen einen Rheinischen Gulden und acht Albus. Wahrscheinlich fanden auch ab 1721 zum Patronatsfest Peter und Paul Salutschüsse zur Messe und Prozession statt. Im Jahre 1732 betrug die Rechnung für die Salutschüsse an Fronleichnam zwei Gulden und fünf Albus für zwei Pfund Pulver. Protokolle nennen 1744 namentlich drei Bürger, die sich beschwerten, dass von dem bereitgestellten Pulver 1/2 Pfd. verschwand und der Rest sogar mit Speichel so nass gemacht wurde, dass während des „Hohen Amtes“ nicht geschossen werden konnte. Die Übeltäter wurden ermittelt und zur Rechenschaft gezogen.

Da die Heere im 18. und 19. Jahrhundert waffentechnisch immer besser ausgerüstet wurden, verlor die Festung Villmar, die zudem noch in seiner strategisch sehr ungünstigen Lage, abseits aller Hauptinteressengebiete, lag, militärisch immer mehr an Bedeutung.
Dies hatte zur Folge, dass die Villmarer Bürgerwehr, nachdem im Jahre 1819 große Teile des Befestigungswerkes beseitigt worden waren, ihren Wehrcharakter verlor, sie aber als Repräsentationsgarde auch weiterhin erhalten blieb.

In der Wilhelminischen Ära zu Zeiten des Villmarer Dekans und Geheimen Päpstlichen Kammerherren Johannes Ibach, der seit dem 01. Oktober 1869 in Villmar als Geistlicher tätig war, eines mutigen kirchlichen Streiters gegen jede Staatsanmaßung, beteiligte sich der im Jahre 1887 neu gegründete Militärverein „Germania“ , wohl nicht ohne Zustimmung des genannten Geistlichen, in preußischen Gala-Uniformen, an den festlichen Prozessionen anlässlich des Patronatstages Peter und Paul.

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Kriegerverein Villmar, gegründet von Veteranen des Krieges 1870/71

 

Die Gardisten des Militärvereins Germania stehen Gewehr bei Fuß, an der Kirche.

Die Gardisten des Militärvereins Germania stehen Gewehr bei Fuß, an der Kirche.

Der Militärverein „Germania“ hatte sich zur Aufgabe gestellt, bei weltlichen und kirchlichen Festen und Feiern, mit ihren schmucken preußischen Uniformen, Gewehren und Säbeln, sowie dem Böllerschießen ihren Teil als Repräsentationsgarde beizutragen. Bekannt ist, dass der Militärverein Germania seit seiner Gründung im vorigen Jahrhundert besonders an Peter und Paul, als Villmarer Bürgergarde präsent war. Eine besondere Ehrerbietung galt der Begleitung des Allerheiligsten während der Prozession, wobei ausgebildete Schützen weithin hörbar das Ereignis mit Böllerschüssen ankündigten.

Fahne des Militärvereins “Germania“ gegründet 1887, Nachfolger des Kriegervereins von 1872.

Fahne des Militärvereins “Germania“ gegründet 1887, Nachfolger des Kriegervereins von 1872.

 

Den Nationalsozialisten, die doch allem Militärischen sonst durchaus positiv gegenüberstanden, blieb es vorbehalten, der Villmarer Gardetradition durch Verbot ein vorläufiges Ende zu bereiten, vorläufig deshalb, weil im Jahre 1980 sich 26 Villmarer wieder auf diese jahrhundertealte Tradition besannen und die Peter-Paul-Garde zu neuem Leben erweckten.

An der Gründungsversammlung am 10. November 1980 im Gasthaus “Germania“ nahmen folgende Personen teil:

Helmut Arthen, Gerhard Bleul, Karl-Peter Caspari, Thomas Caspari, Günter Dill, Rainer Geis, Christoph Höhler,
Gerhard Jungels, Gerhard Kotz, Dietrich Krummel, Willi Kullmann, Josef Leukel, Hartmut Meuser, Winfried Meuser,
Ulrich Müller, Willi Müller sen., Willi Müller jun., Albert Philipp, Rainer Philipp, Reinold Reichwein, Raimund Schermuly,
Karl Scheu, Karl Schmidt, Erwin Sprenger, Robert Speier und  Heinrich Witterhold

 

Bürgermeister Hubert Aumüller und Major Willi Müller, dahinter die Offiziere Heins Robert Speier und Günter Dill im Jahre 1980 beim Abschreiten der Front vor dem Rathaus in Villmar.

Bürgermeister Hubert Aumüller und Major Willi Müller, dahinter die Offiziere Heins Robert Speier und Günter Dill im Jahre 1980 beim erstmaligen Abschreiten der Front vor dem Rathaus in Villmar.

In der Satzung vom 24.11.1980 hatte sich die Peter-Paul-Garde die Aufgabe gestellt, die „bis zum Jahr 1936 alljährlich in Villmar stattgefundene und durch die damaligen politischen Verhältnisse unterbrochene Tradition, am Kirchenpatronatsfest mit einer Garde aufzumarschieren, wieder aufzunehmen und fortzuführen, sowie durch den Aufmarsch der Garde das Patronatsfest aufzuwerten, damit es wieder zu einem Ereignis in der Gemeinde wird“. Der erste öffentliche Auftritt der neu gegründeten Peter-Paul-Garde Villmar erfolgte anlässlich des 60.-jährigen Vereinsjubiläums des Sportvereins Villmar.

Von Pikanterie war 1981 das Verbot für eine Teilnahme der “Garde” an der Prozession mit voller Montur und Gewehr, wegen negativer Erinnerung an Symbole der Vergangenheit. Der damals amtierende Pfarrer und der Pfarrgemeinderat konnten nach ihrer Meinung nicht verantworten, dass Teilnehmer der Prozession, bei gottesdienstlichen Handlungen, mit militärähnlichen Aufzügen einer umstrittenen Vergangenheit konfrontiert würden. Die Bürgerschaft war damals geteilter Meinung. Eine Wende in dieser leidigen Sache wurde 1996 mit dem damaligen Pfarrer Günter Daum vollzogen. Seither marschiert die Garde, ohne Gewehr aber in Uniform, hinter dem Allerheiligsten während der Peter und Paul Prozession.

Im Laufe der Jahre ist die Peter-Paul-Garde auch zu einem gefragten Repräsentant der Gemeinde Villmar geworden. Mehrmals war die Peter-Paul-Garde bei den beliebten Umzügen der “Hessen-Tage” präsent und zwar 1982 in Wächtersbach, 1983 Lauterbach, 1984 Lampertheim, 1985 Alsfeld, 1988 Hofheim, 1993 Stadt Lich, 2005 in Weilburg und 2012 in Wetzlar. Des Weiteren bei vielen regelmäßigen Treffen und verschiedenen Auftritten bei befreundeten Garden und mittelalterlichen Gruppen haben die Gardisten, weit über die Grenzen von Hessen Villmar, den romantischen Flecken im Lahntal, mit großem Idealismus und persönlichen Einsatz repräsentiert und für auswärtige Besucher Villmars bekannt gemacht.

„Somit auch die erste bekannte touristische Werbung für Villmar!“

Unter anderem mit den Diezer Kadetten, Koblenzer Stadtsoldaten, Königsteiner Ritter, Landsknechten Schadeck und Runkel, Bürgergarden aus Weilburg, Braubach, Schlüchtern, oder dem Militärfestival der Bundeswehr in Koblenz.

Weitere fortlaufende Informationen über die Vereinshistorie der Peter-Paul-Garde Villmar
entnehmen Sie bitte unserem Vereinsarchiv.
Danke!